Radschrauben und Drehmoment: Räder sicher anziehen und nachziehen
Das richtige Anzugsmoment, die richtige Reihenfolge – und warum Nachziehen Pflicht ist.
Stand: August 2026 · Geprüft vom NETTO Werkstatt-Team
Dieser Beitrag gehört zum großen Felgen-Ratgeber. Konkrete Stahl- und Alufelgen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserer Felgen-Übersicht.
Kurze Antwort: Radschrauben werden über Kreuz und mit dem Drehmomentschlüssel angezogen – bei vielen Pkw zwischen 110 und 130 Nm, verbindlich ist die Betriebsanleitung. Nach 50 bis 100 Kilometern nachziehen und beim Felgenwechsel auf die passende Schraubenform achten.
Das Wichtigste in Kürze:
- Typische Anzugsmomente beim Pkw: 110–130 Nm – verbindlich ist die Betriebsanleitung.
- Immer über Kreuz und in zwei Stufen mit dem Drehmomentschlüssel anziehen.
- Nach 50–100 km nachziehen – bei Alufelgen besonders wichtig.
- Stahl- und Alufelgen brauchen oft unterschiedliche Schrauben (Kegel-, Kugel- oder Flachbund).
Vier oder fünf Schrauben halten jedes Rad am Auto – und trotzdem wird kaum ein Bauteil so oft falsch behandelt wie die Radschraube. Zu fest angezogen leidet das Gewinde, zu locker löst sich im schlimmsten Fall das Rad. Der Schlüssel liegt im richtigen Drehmoment, der richtigen Reihenfolge und dem Nachziehen nach den ersten Kilometern. Hier finden Sie die Regeln, typische Anzugswerte und die Fehler, die Sie sich sparen sollten.
Radschraube oder Radbolzen: Was hat mein Auto?
Zwei Systeme sind verbreitet: Bei der Radschraube (üblich bei den meisten europäischen Pkw) wird die Schraube durch die Felge in ein Gewinde der Radnabe gedreht. Beim Radbolzen mit Radmutter (häufig bei asiatischen und amerikanischen Fahrzeugen) stehen Gewindebolzen fest an der Nabe, die Felge wird mit Muttern befestigt. Für Drehmoment und Anzugsregeln gilt in beiden Fällen dasselbe Prinzip – nur die Teile, die bei Verschleiß getauscht werden, unterscheiden sich.
Welches Drehmoment ist das richtige?
Das verbindliche Anzugsmoment steht in der Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs – und nur dieser Wert zählt. Zur groben Orientierung, in welchem Bereich sich Pkw üblicherweise bewegen:
Kleinwagen
häufig etwa 90 bis 110 Nm
Kompakt- und Mittelklasse
häufig etwa 110 bis 130 Nm
SUV, Transporter und schwere Fahrzeuge
häufig etwa 130 bis 180 Nm
Wichtig: Das sind Erfahrungswerte, kein Ersatz für die Herstellerangabe. Auch Zubehörfelgen können abweichende Werte oder spezielle Schrauben vorschreiben – ein Blick in die ABE lohnt sich; was darin steht, erklärt unser Beitrag ABE, Teilegutachten und Eintragung. Angezogen wird grundsätzlich mit dem Drehmomentschlüssel, nie mit dem Schlagschrauber „nach Gefühl“ – der überdreht Gewinde schneller, als man hinschauen kann.
Über Kreuz anziehen: die richtige Reihenfolge
Radschrauben werden immer über Kreuz und in zwei Stufen angezogen: erst alle Schrauben handfest ansetzen, dann über Kreuz mit etwa der Hälfte des Sollwerts vorziehen, zum Schluss über Kreuz auf das volle Drehmoment. So legt sich die Felge gleichmäßig an die Nabe an, ohne sich zu verspannen. Wer reihum statt über Kreuz anzieht, riskiert eine schief anliegende Felge – spürbar als Flattern, im schlimmsten Fall als sich lösende Schrauben.
Nachziehen nach 50 bis 100 Kilometern
Nach jedem Radwechsel gilt: Radschrauben nach 50 bis 100 Kilometern nachziehen – mit dem Drehmomentschlüssel auf den Sollwert, nicht einfach „fester“. Der Grund: Beim ersten Fahren setzen sich Felge, Nabe und Schraubenauflage minimal, dadurch kann die Vorspannung leicht sinken. Besonders bei Alufelgen ist das Setzen ausgeprägter als bei Stahl. Bei jedem Radwechsel bei NETTO weisen wir deshalb aktiv auf den Nachzieh-Termin hin – die zwei Minuten sind bei uns selbstverständlich kostenlos.
Alufelge ist nicht Stahlfelge: auf die Schraube achten
Ein häufiger und gefährlicher Fehler beim zweiten Radsatz: die falschen Schrauben. Stahl- und Alufelgen haben oft unterschiedliche Anlagegeometrien – Kegelbund, Kugelbund oder Flachbund – und meist auch unterschiedliche Schaftlängen. Eine Kegelbundschraube in einer Felge mit Kugelbundsitz liegt nur auf einer schmalen Kante auf und kann sich im Fahrbetrieb lockern. Wer zwischen Sommer-Alus und Winter-Stahlfelgen wechselt, braucht deshalb häufig zwei Schraubensätze. Mehr zur Planung des Wintersatzes lesen Sie im Beitrag Zweiter Radsatz für den Winter.
Wann Radschrauben ersetzt werden müssen
- Beschädigtes oder überdrehtes Gewinde – die Schraube lässt sich schwer oder „weich“ drehen
- Angerostete oder korrodierte Schrauben, deren Bund nicht mehr sauber anliegt
- Abgerundeter Schraubenkopf, auf dem die Nuss keinen sicheren Halt mehr findet
- Nach dem Überdrehen mit dem Schlagschrauber – gelängte Schrauben sind ein Sicherheitsrisiko
- Wenn die ABE neuer Felgen spezielle Schrauben vorschreibt
Radschrauben sind Centartikel im Vergleich zu dem, was sie sichern. Im Zweifel tauschen – und beim Anziehen einmal richtig arbeiten statt zweimal reparieren.
Felgenschloss: Diebstahlschutz für hochwertige Räder
Bei Alufelgen und Kompletträdern lohnt ein Felgenschloss: Eine Radschraube pro Rad wird durch eine Sicherheitsschraube mit individueller Codierung ersetzt, die sich nur mit dem zugehörigen Adapter lösen lässt. Wichtig: Der Adapter gehört ins Auto (nicht in die Garage) – bei Panne oder Werkstatttermin muss er greifbar sein. Und auch Sicherheitsschrauben werden mit dem normalen Drehmoment angezogen; verlorene Adapter kann der Fachbetrieb zwar ersetzen oder die Schrauben demontieren, das kostet aber Zeit und Nerven.
Das richtige Werkzeug für den Radwechsel zu Hause
- Drehmomentschlüssel mit passendem Einstellbereich (ca. 40–200 Nm) – das wichtigste Werkzeug überhaupt
- Steckschlüssel-Nüsse in der richtigen Größe, bei Alufelgen mit Kunststoffhülle gegen Kratzer
- Wagenheber mit ausreichender Tragkraft plus Unterstellbock – nie nur auf dem Heber arbeiten
- Drahtbürste für die Nabenauflage: Rost und Schmutz vor der Montage entfernen
- Kreide oder Reifenmarker zum Markieren der Radposition (VL, VR, HL, HR)
Wer sich das sparen will: Beim Radwechsel bei NETTO sind Drehmoment, Reihenfolge und der Blick auf Schrauben und Nabe selbstverständlich inklusive – zum transparenten Festpreis.
Weitere Themen im Felgen-Ratgeber
Zweiter Radsatz im Winter
Stahl oder Alu in der kalten Jahreszeit
ABE und Teilegutachten
Was erlaubt ist und was eingetragen wird
Kompletträder
Reifen und Felge als Einheit
Felgengröße und ET
Alle Maße am Rad erklärt
Alle Grundlagen im Überblick: der große Felgen-Ratgeber.
Häufige Fragen zu Radschrauben und Drehmoment
Mit welchem Drehmoment müssen Radschrauben angezogen werden?
Verbindlich ist immer die Angabe des Fahrzeugherstellers in der Betriebsanleitung. Als grobe Orientierung: Kleinwagen liegen häufig bei 90 bis 110 Nm, Kompakt- und Mittelklasse bei 110 bis 130 Nm, SUV und Transporter darüber. Zubehörfelgen können abweichende Werte vorschreiben.
Muss ich Radschrauben nach dem Wechsel wirklich nachziehen?
Ja, nach etwa 50 bis 100 Kilometern – mit dem Drehmomentschlüssel auf den Sollwert. Felge, Nabe und Schraubenauflage setzen sich beim ersten Fahren minimal, wodurch die Vorspannung sinken kann. Besonders bei Alufelgen ist das Nachziehen Pflicht.
Warum werden Radschrauben über Kreuz angezogen?
Damit sich die Felge gleichmäßig und ohne Verspannung an die Radnabe anlegt. Beim Anziehen reihum kann die Felge minimal schief anliegen – die Folge sind Vibrationen und schlimmstenfalls Schrauben, die sich im Fahrbetrieb lockern.
Kann ich die Schrauben der Stahlfelgen auch für Alufelgen nutzen?
Häufig nein. Stahl- und Alufelgen unterscheiden sich oft in Bundform (Kegel-, Kugel- oder Flachbund) und Schaftlänge. Die falsche Schraube liegt nicht vollflächig an und kann sich lösen. Welche Schrauben zulässig sind, steht in der ABE bzw. den Fahrzeugunterlagen.
Darf ich Radschrauben mit dem Schlagschrauber anziehen?
Zum Lösen ja, zum finalen Anziehen nein. Der Schlagschrauber erreicht unkontrolliert hohe Momente, längt Schrauben und beschädigt Gewinde. Das finale Anziehen gehört immer dem Drehmomentschlüssel – über Kreuz und auf den vorgeschriebenen Wert.
Sollten Radschrauben gefettet werden?
Nein. Gewinde und Anlagefläche bleiben trocken und sauber – Fett oder Öl verfälschen das Drehmoment, die Schraube wird bei gleichem Nm-Wert zu stark vorgespannt. Nur leichter Rostlöser beim Lösen festsitzender Schrauben ist unkritisch, danach trocken montieren.
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