Felgengröße, Lochkreis und Einpresstiefe verstehen

Maulweite, Durchmesser, ET und Lochkreis – jede Kennzahl der Felgenbezeichnung verständlich erklärt.

Stand: August 2026 · Geprüft vom NETTO Werkstatt-Team

Dieser Beitrag gehört zum großen Felgen-Ratgeber. Konkrete Stahl- und Alufelgen für Ihr Fahrzeug finden Sie in unserer Felgen-Übersicht.

Kurze Antwort: 7,5J x 17 ET35 LK 5×112 heißt: 7,5 Zoll Maulweite, J-förmiges Felgenhorn, 17 Zoll Durchmesser, 35 mm Einpresstiefe und fünf Löcher auf einem Teilkreis von 112 mm. Passen müssen alle Werte zugleich – maßgeblich sind Fahrzeugpapiere, ABE oder Gutachten.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Einpresstiefe (ET) wird in Millimetern gemessen – je kleiner der Wert, desto weiter außen steht das Rad.
  • Lochkreis 5×112 heißt: fünf Bohrungen auf 112 mm Teilkreis. 5×112 und 5×114,3 sind nicht kompatibel.
  • Zubehörfelgen brauchen fast immer Zentrierringe für das Mittenloch – sonst drohen Vibrationen.
  • Verbindlich sind CoC-Papier, Zulassungsbescheinigung, ABE oder Gutachten – nie die Optik.

7,5J x 17 H2 ET35, Lochkreis 5×112 – wer zum ersten Mal Felgen kauft, steht vor einer Zahlenkolonne, die mehr nach Mathematik als nach Auto klingt. Dabei steckt hinter jeder dieser Angaben eine einfache Bedeutung. Wer Felgengröße, Lochkreis und Einpresstiefe lesen kann, erkennt auf einen Blick, ob eine Felge ans eigene Fahrzeug passt – und vermeidet den häufigsten Fehler beim Felgenkauf: das schöne Rad, das nicht montiert werden darf. Hier erklären wir jede Kennzahl Schritt für Schritt.

Die Felgenbezeichnung im Überblick

Jede Felge trägt eine genormte Bezeichnung, meist eingegossen auf der Innenseite oder im Bereich der Radschüssel. Ein typisches Beispiel: 7,5J x 17 H2 ET35, LK 5×112. Aufgeschlüsselt bedeutet das:

  • 7,5 – die Maulweite in Zoll: die innere Breite der Felge, auf der der Reifen sitzt
  • J – die Form des Felgenhorns, bei Pkw fast immer „J“
  • 17 – der Felgendurchmesser in Zoll
  • H2 – der Doppelhump: zwei umlaufende Erhebungen, die den schlauchlosen Reifen sicher auf der Felgenschulter halten
  • ET35 – die Einpresstiefe in Millimetern
  • LK 5×112 – der Lochkreis: 5 Schraubenlöcher auf einem Kreis mit 112 mm Durchmesser

Mit diesen sechs Angaben ist eine Felge eindeutig beschrieben. Ob sie an Ihr Fahrzeug passt, entscheiden vor allem drei davon: Maulweite und Durchmesser, Einpresstiefe und Lochkreis.

Maulweite und Durchmesser: die Basis jeder Kombination

Die Maulweite bestimmt, welche Reifenbreiten auf der Felge zulässig sind. Auf eine 7-Zoll-Felge passen andere Reifen als auf eine 8,5-Zoll-Felge – für jede Maulweite gibt es einen genormten Bereich zulässiger Reifenbreiten. Welche Kombinationen erlaubt und sinnvoll sind, erklären wir ausführlich im Beitrag Reifen-Felgen-Kombination.

Der Durchmesser muss exakt zum Reifen passen: Ein 17-Zoll-Reifen gehört auf eine 17-Zoll-Felge, ohne Ausnahme. Größere Felgendurchmesser bedeuten flachere Reifenflanken – das sieht sportlich aus, macht das Rad aber empfindlicher gegen Schlaglöcher und Bordsteine und meist auch teurer im Unterhalt.

Einpresstiefe (ET): der unterschätzte Wert

Die Einpresstiefe beschreibt den Abstand zwischen der Radmitte und der Anlagefläche, mit der die Felge an der Radnabe anliegt – gemessen in Millimetern. Sie entscheidet darüber, wie weit das Rad im Radkasten sitzt:

Hohe ET (z. B. ET45)

Das Rad wandert weiter nach innen Richtung Fahrwerk.

Niedrige ET (z. B. ET20)

Das Rad steht weiter außen, die Spur wird breiter.

ET0 oder negative ET

Die Anlagefläche liegt auf oder hinter der Radmitte – typisch für sehr breite Räder im Tuning-Bereich.

Eine falsche Einpresstiefe ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Sicherheitsproblem: Das Rad kann am Federbein oder Bremssattel schleifen, im eingefederten Zustand den Radkasten berühren oder die Lenkgeometrie verändern. Radlager und Fahrwerk werden stärker belastet. Deshalb legen Fahrzeughersteller und Felgengutachten fest, welche ET-Werte – oft in Verbindung mit Distanzscheiben oder Karosseriearbeiten – zulässig sind. Welche Papiere dabei zählen, lesen Sie im Beitrag ABE, Teilegutachten und Eintragung.

Lochkreis und Nabendurchmesser: passt die Felge ans Auto?

Der Lochkreis (LK) gibt an, wie viele Radschrauben die Felge hat und auf welchem Kreisdurchmesser die Bohrungen liegen. „5×112“ heißt: fünf Löcher auf einem Kreis von 112 mm. Der Lochkreis muss exakt mit dem Fahrzeug übereinstimmen – ein 5×112-Rad lässt sich nicht auf einer 5×114,3-Nabe montieren, auch wenn der Unterschied winzig klingt.

Dazu kommt der Nabendurchmesser (Mittenlochbohrung): Das Mittenloch der Felge muss zur Radnabe passen. Zubehörfelgen haben oft ein größeres Mittenloch, das mit einem passenden Zentrierring aus Kunststoff oder Metall auf die Fahrzeugnabe reduziert wird. Fehlt dieser Ring, zentriert das Rad nicht sauber – spürbar als Lenkradflattern ab etwa 100 km/h. Auch das richtige Anzugsmoment spielt hier hinein: Mehr dazu im Beitrag Radschrauben und Drehmoment.

Wo finde ich die richtigen Werte für mein Fahrzeug?

Die für Ihr Fahrzeug zulässigen Rad-Reifen-Kombinationen stehen an drei Stellen:

CoC-Papier

(Certificate of Conformity): listet alle ab Werk zulässigen Größen

Zulassungsbescheinigung Teil I

nennt unter Ziffer 15 mindestens eine zulässige Reifengröße

ABE oder Teilegutachten der Felge

maßgeblich bei Zubehörfelgen – hier stehen Fahrzeug, Größe, ET und eventuelle Auflagen

Im Zweifel gilt: nicht raten, sondern prüfen lassen. Unsere Monteure gleichen Felgendaten und Fahrzeugpapiere in wenigen Minuten ab – bevor Sie kaufen, nicht danach.

Häufige Fehler beim Felgenkauf

  • Gebrauchte Felgen ohne Papiere gekauft – ohne ABE oder Gutachten keine Zulassung
  • Lochkreis „fast passend“ – 5×112 und 5×114,3 sind nicht kompatibel
  • Zentrierringe vergessen – Vibrationen und einseitige Belastung der Radschrauben
  • ET zu niedrig gewählt – Rad schleift am Radkasten oder ragt unzulässig heraus
  • RDKS-Sensoren nicht eingeplant – beim Pflichtsystem ab Baujahr 11/2014 ein Muss

Distanzscheiben: Wenn die ET nachträglich verändert wird

Wer die Spur optisch verbreitern will, ohne neue Felgen zu kaufen, greift oft zu Distanzscheiben (Spurplatten). Technisch verändern sie die wirksame Einpresstiefe: Eine 10-mm-Scheibe macht aus ET45 effektiv ET35 – das Rad rückt einen Zentimeter nach außen. Dafür gelten dieselben Regeln wie für die Felge selbst: Distanzscheiben brauchen ein Gutachten, oft längere Radschrauben und je nach Kombination eine Abnahme. Und sie verändern die Belastung von Radlagern und Fahrwerk genauso, als hätte die Felge selbst die niedrigere ET. Kurz: möglich, aber nur mit Papieren und fachgerechter Montage – nie als Baumarkt-Schnellschuss.

Die Felgendaten am eigenen Auto ablesen: so geht's

Sie wollen wissen, was aktuell montiert ist? Die Kennzeichnung finden Sie eingegossen oder eingeprägt auf der Felgeninnenseite, manchmal auch auf der Rückseite der Speichen – bei montiertem Rad hilft eine Taschenlampe oder der Blick beim nächsten Radwechsel. Notieren Sie Maulweite, Durchmesser, ET und Lochkreis und vergleichen Sie die Werte mit Ihren Fahrzeugpapieren. Bei jedem Radwechsel bei NETTO lesen wir die Daten auf Wunsch mit ab und sagen Ihnen sofort, welcher Spielraum für neue Felgen oder andere Reifengrößen besteht.

Weitere Themen im Felgen-Ratgeber

Reifen und Felge kombinieren

Welche Reifenbreite auf welche Felge passt

ABE und Teilegutachten

Was erlaubt ist und was eingetragen wird

Radschrauben und Drehmoment

Bund, Länge und fester Sitz

Kompletträder

Reifen und Felge als Einheit

Alle Grundlagen im Überblick: der große Felgen-Ratgeber.

Häufige Fragen zu Felgengröße, Lochkreis und ET

ET steht für Einpresstiefe: der Abstand in Millimetern zwischen der Radmitte und der Anlagefläche an der Radnabe. Je höher der ET-Wert, desto weiter sitzt das Rad im Radkasten; je niedriger, desto weiter steht es nach außen. Zulässig sind nur die Werte, die Fahrzeugpapiere, ABE oder Gutachten freigeben.

Der Lochkreis steht in der ABE oder im Gutachten Ihrer Felgen, in den technischen Daten des Fahrzeugherstellers oder im CoC-Papier. Sie können ihn auch am Fahrzeug ablesen lassen – bei NETTO prüfen wir Lochkreis, Nabendurchmesser und ET direkt am Auto.

Nur wenn die abweichende ET durch die Fahrzeugpapiere, die ABE der Felge oder ein Teilegutachten abgedeckt ist. Kleinere Abweichungen sind oft mit Auflagen zulässig, größere erfordern eine Abnahme und Eintragung. Ohne Freigabe erlischt die Betriebserlaubnis.

Die Maulweite ist die innere Breite der Felge in Zoll, gemessen zwischen den Felgenhörnern. Sie bestimmt, welche Reifenbreiten montiert werden dürfen: Für jede Maulweite gibt es einen genormten Bereich zulässiger Reifenbreiten.

Zentrierringe gleichen den Unterschied zwischen dem Mittenloch einer Zubehörfelge und dem Nabendurchmesser des Fahrzeugs aus. Ohne passenden Ring zentriert das Rad nicht exakt – typische Folge sind Vibrationen und Lenkradflattern bei höherem Tempo.

Nein. Neben dem Durchmesser müssen Lochkreis, Einpresstiefe, Maulweite, Nabendurchmesser und die Traglast der Felge zum Fahrzeug passen – und die Kombination muss in ABE, Gutachten oder Fahrzeugpapieren freigegeben sein.

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